Der Spielmannszug 1864
der Freiwilligen Feuerwehr Treis

Helmut Quickert

Die Spielleute, die Trommler und Pfeifer, haben ihre Wurzeln bei den Landsknechten im Mittelalter. Im frühen deutschen Heer war es schließlich der Trommler, Pfeifer und Hornist der Infanterie, der nicht nur bei den Preußenkönigen stramm militärisch geprägt war. Eine Musterungsliste aus dem Jahre 1601 belegt, dass es auch in Treis zumindest in dieser Zeit schon Spielleute gegeben hat.

In der neueren deutschen Militärmusik sehen wir den Spielmannszug neben der Musikkapelle. Der Tambourmajor war ursprünglich der Bataillonstrommler. Heute führt er den Spielmannszug an.

Soweit sich die Geschichte des Spielmannszuges der Freiwilligen Feuerwehr Treis  zurückverfolgen lässt, ist diese eng mit dem seit 1860 stattfindenden Treiser Kirmeszug verbunden. Erstmals im Jahre 1864 wurde der Kirmeszug von Spielleuten - Knüppelmusik genannt - angeführt. Diese Knüppelmusik bestand zunächst jedoch nur aus Trommlern. Es waren Leute, die aus der Armee entlassen und hier als Spielmann ausgebildet waren.

Noch bekannt von den Gründern sind:

Johann Junkle, Johann-Josef Bleser (genannt Komese Batz), Philipp Hilger (genannt Zinese Hans-Jipp), Johann Haferkamp (genannt Becker-Philipp)

Diese machten sich eine Ehre daraus, an der Spitze des Kirmeszuges zu marschieren und den Takt beim Umzugsmarsch anzugeben. Im Jahre 1892 wurde die Knüppelmusik von dem in diesem Jahr gegründeten Turnverein übernommen. Erstmals wurden aus Aktiven des Turnvereins auch Flötisten ausgebildet. Die um die Jahrhundertwende 1900 bekannten Namen der Spielleute sind:


Jakob Bröhl, Josef Gräf, Karl Neef, Wilh. Michels, Konrad Kind, Nikl. Ningel, Nikl. Sauerborn, Franz Bender.

Diese Männer übermittelten ihr Können bis ins hohe Alter an die Jugend weiter. Während des 1. Weltkrieges gehörte der Spielmannszug zwangsläufig der Jugendwehr an. Mit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr im Jahre 1921 übernahm diese die Belange des Spielmannszuges. Hier sind als Ausbilder und Förderer besonders zu erwähnen: Jakob Bröhl, Konrad Kind, Willi Lichtenberg.

 
Tambourmajor Peter Thönnes 1949


Große Anerkennung gebührt Franz Thönnes, der den Spielmannszug nach dem Zweiten Weltkrieg sofort wieder ins Leben gerufen hat und von ihm bis 1947 und von 1954 bis 1958 als Tambourmajor geführt wurde.


Von 1948 bis 1953 waren für jeweils zwei Jahre Tambourmajor: Peter Thönnes, Alfons Thönnes und Jakob Thönnes. Von 1945 bis 1953 wurde der Tambourmajor jeweils für zwei Jahre vom Spielmannszug gewählt. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde der Tambourmajor wie der Kirmeshauptmann in jedem Jahr neu gewählt. Seit 1954 ist die Berufung zum Tambourmajor nicht mehr auf eine bestimmte Zeit befristet.

 

Obere Reihe von links: Egon Weirich, Günter Quickert, Hans Klaus, Rudi Simonis, Paul Deisen, Karl Quickert, Willi Dienes, Helmut Quickert. Mittlere Reihe von links: Martin Kastor, Josef Zilles, Herbert Spies, Franz Thönnes (Tambourmajor), Servatius Müntnich, Herbert Müntnich, Alfons Thönnes, Otto Bleser. Vordere Reihe von links: Wolfgang Sebald, Peter Schuster, Max Weirich, Clemens Enk.


Nach Franz Thönnes übernahm Anton Schmitt von 1958 bis 1970 den Tambourstab. Anton Schmitt war Trommler und Pfeifer beim Militär und hatte hier sein hohes Können erworben. Durch die Vermittlung dieses Könnens an die Aktiven des Spielmannszuges konnte die musikalische Qualität ständig verbessert werden. So stieg der Spielmannszug in verhältnismäßig kurzer Zeit bei Wettstreiten von der C-Klasse über die B- und A-Klasse bis in die Sonderklasse auf.

 
Tambourmajor Anton Schmitt 1964

Nicht hoch genug zu würdigen ist die Arbeit der damaligen Übungsleiter. In Ermangelung geeigneter Räumlichkeiten fanden die Proben bis Mitte der fünfziger Jahre teilweise unter freiem Himmel statt. Auch die dann zur Verfügung gestellte alte Turnhalle war bis zum Umzug im Jahre 1976 in das neue Feuerwehrhaus alles andere als ein idealer Übungsraum.

Martin Kastor wurde 1970 Nachfolger von Anton Schmitt und hatte das Amt des Tambourmajors bis 1989 inne. Durch seinen Frohsinn und einer fast immer guten Laune gelang es ihm, viele Mitglieder teilweise für lange Zeit an den Spielmannszug zu binden, was eine ständige Erhöhung der Mitgliederzahlen zur Folge hatte.

 
Tambourmajor Martin Kastor 1970 – 1989

Unterstützt wurde Martin Kastor in seiner Arbeit von Helmut Quickert und vor allem aber dem Dirigenten des Treiser Musikvereins Werner Hüttner. Von Herrn Hüttner lernte der Spielmannszug das Spielen nach Noten, wodurch das Können nochmals gesteigert werden konnte. Werner Hüttner war auch für das Einüben der Flötenstimmen und erster Konzertstücke verantwortlich. Im März 1986 wurde Martin Kastor für seine Verdienste um die Spielmannsmusik mit der Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.

Obwohl er lieber weiterhin seine Flöte gespielt hätte, folgte Helmut Quickert 1989 Martin Kastor als Stabführer.

So war er froh, dass sich 1992 in Jörg Link ein junger Mann fand, der den Tambourstab übernehmen wollte. Helmut Quickert konnte sich nunmehr wieder mehr dem eigenen Flötenspiel und, was viel wichtiger war, wieder mehr der Nachwuchsförderung widmen.

Jörg Link trat sein Amt mit großem Elan an und verstand es trotz seiner Jugend fast durchweg seine Ideen durchzusetzen.

 
Tambourmajor Jörg Link 1992 – 1999


Aus beruflichen Gründen musste Jörg Link 1999 die Stabführung abgeben. Ihm folgte mit Patrick Schuster ein ebenfalls noch recht junger Mann. An der fachlichen Kompetenz von Patrick Schuster bestanden und bestehen keine Zweifel, denn er war zwei Jahre Schlagzeuger beim Heeresmusikkorps 300 in Koblenz, was ein hohes musikalisches Können voraussetzt. Seine bisher geleistete Arbeit ist in positivem Sinne dem Spiel des Spielmannszuges anzumerken.

 
Tambourmajor Patrick Schuster 1999 – z.Zt.


Der heutige Spielmannszug hat in den vergangenen Jahren bei zahlreichen Auftritten durch sein Spiel der Bevölkerung von Treis und Umgebung schon viel Freude bereitet und durch sein hohes Können bei Wettstreiten viele Preise auch in der höchsten Spielklasse errungen. Unter anderem gewann er dreizehnmal den Wanderpokal für Spielmannszüge des Kreises Cochem – Zell.

1996 beteiligte man sich am Wettstreit um den Deutschlandpokal in Alsfeld. Bei diesem Wettbewerb, an dem sich die besten Spielmannszüge aus dem Bundesgebiet beteiligten, wurde ein achtbarer 12. Platz errungen. In Treis fand der erste Wettstreit für Spielmanns- und Fanfarenzüge 1961 und der letzte 1986 statt. Zurzeit spielen Wettstreite kaum noch eine Rolle und finden nur noch sehr selten statt.


Auch ein Indiz für die Qualität des Spielmannszuges Treis ist, dass nicht nur der Musikverein Treis, sondern auch Musikvereine der näheren und weiteren Umgebung mit ihm den „Großen Zapfenstreich“ aufführen. Mit dem Musikverein Treis besteht ein gutes und freundschaftliches Verhältnis. Man betrachtet sich nicht als Konkurrenz im Ort. Beweis hierfür ist die Tatsache, dass gemeinsam Musikstücke eingeübt und hierfür natürlich auch gemeinsame Proben abgehalten werden. An dieser Freundschaft ändert sich auch nichts dadurch, dass man sich schon mal als „Blechköppe“ oder „Pfeifenköppe“ betitelt. Dies ist in aller Regel eine neckische Fopperei.

Für viele unvergessen ist die Mitwirkung am Landesfeuerwehrtag 1962 in Trier, wo während des Festzuges aufgrund der großen Hitze fünf Trommelfelle platzten und man mit nur einer intakten Trommel den Umzug beendete.

Viel Spaß hatten alle Mitgereisten 1965 bei dem zweitägigen Besuch beim Spielmannszug der Schützengesellschaft 1432 Duisburg, mit dem mehrere Jahre eine gute Freundschaft bestand. Die mehr als eine halbe Stunde dauernde Parade, zu der man bei großen Schützenfesten spielte, stellte eine hohe Anforderung an die Kondition.

Stolz war und ist man noch auf die Einladung zur Bundesgartenschau 1977 in Bonn, die auf Empfehlung der damaligen Kultusministerin von Rheinland-Pfalz, Frau Hanna Renate Laurien, erfolgte. Auch gute Erinnerungen bestehen an die Teilnahme an den Europatagen 1982 in Groß Gerau, wo man als bester Spielmannszug abschnitt.

Am häufigsten kommt in geselliger Runde beim Auffrischen alter Erinnerungen die Sprache auf ein Freundschaftstreffen mit Übernachtung in Weinähr an der Lahn beim dortigen Spielmannszug. Da die zur Verfügung gestellte Unterkunft – eine Garage – viel zu klein war, nahmen die meisten ihren Schlafsack und bezogen Quartier auf einer Wiese am Ortsrand, wo sie morgens von grasenden Kühen geweckt wurden.

Neben dem jeweiligen Tambourmajor sind aus den letzten Jahrzehnten noch 5 Personen zu nennen, die lange Zeit das so genannte Rückgrat des Spielmannszuges bildeten und zwar:

Clemens Enk (1953 – 1989), Heinrich Spies (1956 – 1995), Otto Bleser (1956 – 2002), Edmund Zilles (1956 – 2011), Helmut Quickert (1956 – z.Zt.).

Heinrich Spies und Edmund Zilles bildeten jeweils über mehrere Jahre den Trommlernachwuchs aus. Ausbilder für den Nachwuchs der Flötisten ist seit 1958 Helmut Quickert. Unterstützt wird er hierbei seit 1995 von Uwe Zilles. Genannt werden sollte auch Stefan Tüncher, der von 1974 – 1997 Schriftführer war.

Bestand der Spielmannszug fast 120 Jahre nur aus Männern - insbesondere Jungmännern - so gehören ihm seit 1983 auch weibliche Mitglieder an.

Die ersten waren: Melanie Plonien, Ute Plonien, Anita Birkenbeil, Ulrike Bleser, Nicole Eltges.

Im Jahre 1993 ist der Spielmannszug dem Kreismusikverband Cochem-Zell beigetreten. Aus diesem Grunde, und vor allen Dingen aber wegen einer genauen Aufgabenverteilung, wählte man erstmals Ende 1993 einen eigenen Vorstand. Gewählt wurden:

1. Vorsitzender
Helmut Quickert
Kassierer
Stefan Thönnes
2. Vorsitzender
Gerd Schuster
Jugendleiter / Notenwart
Uwe Zilles
Schriftführer
Stefan Tüncher







Offizieller Vorstand ist aber nach wie vor der Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr.

Zudem gehört laut Beschluss von 2001 auch der jeweilige Tambourmajor dem Vorstand an.

Mit einer eigenen Homepage ist der Spielmannszug seit 2002 im Internet vertreten.

Am 14.03.1999 wurde dem Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Treis vom Bundespräsidenten Roman Herzog die PRO MUSICA  Plakette für eine mehr als 100-jährige Tradition und als Auszeichnung für die in langjährigem Wirken erworbenen Verdienste um die Pflege des instrumentalen Musizierens und damit um die Förderung des kulturellen Lebens verliehen. Die PRO MUSICA Plakette ist die höchste Auszeichnung, die in Deutschland an Instrumentalmusik treibende Vereine verliehen werden kann. Die Übergabe der Plakette erfolgte in einer sehr würdigen Feierstunde durch die Kultusministerin von Rheinland-Pfalz, Rose Götte, in Frankenthal.

In Verbindung mit der Feier zu seinem 135-jährigen Bestehen war der Spielmannszug vom 15.05. – 16.05.1999 Ausrichter des Kreismusikfestes des Kreismusikverbandes Cochem-Zell. Bei diesem Anlass wurde Helmut Quickert vom Landesmusikverband Rheinland-Pfalz für seine langjährige Nachwuchsarbeit die Jugendfördernadel in Gold verliehen. Natürlich wurden auch andere Jubiläen wie der einhundertste Geburtstag 1964 gebührend gefeiert. Mit einem Alter von nunmehr 140 Jahren ist der Spielmannszug Treis weit und breit der älteste Spielmannszug bzw. Musikverein und richtete zum 140-jährigen Jubiläum auch im Jahre 2004 das Kreismusikfest aus.

Wie allgemein im Spielmannswesen beherrscht der Spielmannszug Treis  heute nicht nur einstimmige Märsche. Vielstimmige Volkslieder, Stimmungslieder, Polka, Samba, Rumba und aktuelle moderne Musik gehören zu seinem Repertoire. Natürlich werden auch die Märsche mehrstimmig gespielt. Auch eine Reihe neuer Instrumente wie Diskant-, Alt- und Tenorflöte, sowie Lyra, Marimbaphon und verschiedene Effektinstrumente sind zur Sopranflöte, kleiner und großer Trommel und Marschbecken hinzugekommen. Spielmannszüge sind inzwischen durchaus in der Lage, ein mehrstündiges und abwechslungsreiches Konzert zu gestalten.


Leider hat der Spielmannszug Treis, wie viele andere Vereine auch, zurzeit mit einer schwindenden Mitgliederzahl zu kämpfen. Von vor wenigen Jahren noch fünfundvierzig, ist die Zahl der aktiven Spielleute auf nunmehr fünfundzwanzig geschrumpft. Dreizehn Kinder sind noch in Ausbildung. Das Problem ist es nicht, Nachwuchs zu finden, sondern eine fehlende langjährige Treue zum Verein. Das Freizeitangebot an die heutige Jugend ist sehr vielfältig. Zu viele geben das Musizieren schon während der Ausbildung oder spätestens dann auf, wenn sie ohne Begleitung der Eltern ausgehen dürfen.

Es bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass sich auch weiterhin genügend Musikbegeisterte finden, damit der Spielmannszug Treis noch lange zur eigenen und zur Freude der Bevölkerung musizieren kann.


Der Spielmannszug (2010)
Foto: D. Hermes


Vorstand Spielmannszug (Stand: 28.10.2011):

1. Vorsitzender: Stefan Thönnes
2. Vorsitzender: Thomas Zilliken
Notenwart/Dirigent: Patrick Schuster
Stellv. Dirigentin: Marta Simonis
Schriftführer: Andreas Schuster und Michael Beuren
Jugendleiter: Christoph Schmitz und Tamara Ewald
Beisitzer: Daniel Schuster und Uwe Zilles

Offizieller Vorstand ist aber nach wie vor der Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr.